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Liebe Fischerkollegen - m├Âglichst gen├╝gsam und schonend bitte

Liebe Fischerkollegen - möglichst genügsam und schonend, bitte!

Im September des vergangenen Jahres verstarb Prof. Robert Behnke, der weltweit wohl bekannteste Forellenexperte. Der amerikanische Professor lehrte an der renommierten Universität von Colorado und wurde 82 Jahre alt. Warum ich das erzähle? Weil Behnke neben seiner wissenschaftlichen Arbeit durch viele Artikel im Trout Magazine und herrlich illustrierten Büchern, Fischern die Welt der Forellen näher bringen und mit seinen teils philosophischen Überlegungen zur Angelfischerei, viele Fischer zum Überdenken ihrer Verhaltensweise am Fischwasser und im Umgang mit den gefangenen Fischen anregen konnte. Für Behnke stand immer die „wild trout“, also der Wildfisch, im Zentrum. Behnke wurde nie müde zu betonen, dass es unzählige Formen und Varietäten von wild lebenden Forellen gibt und dass Schutz und Erhalt, also die Sicherung der biologischen Vielfalt innerhalb der Forellenartigen jedem Fischer am Herzen liegen muss, so er nicht in Zukunft ausschließlich „besetzte, vom Mensch in Teichen gezogene und fett gefütterte Einheitsforellen“ aus Fischzuchten fangen will.

Die Südtiroler Gewässer beheimaten eine einzigartige Forelle, die Marmorata. Ihr Vorkommen ist auf ein kleines Gebiet in Südtirol und Slowenien beschränkt und damit fällt es auch in die Verantwortung der Südtiroler Fischerei und damit auch jeden einzelnen Fischers, diese Rarität zu schützen und zu erhalten. Was kann nun ein Südtiroler Fischer zum Wohlbefinden der Marmorata beitragen, wenn die Gewässer doch bereits durch verschiedenste menschliche Eingriffe (Regulierungen, Kraftwerksnutzung, Einleitung diverser Umweltgifte etc.) schwer geschädigt sind und die Lebensbedingungen für die Marmorierte immer schlechter werden? Mit dieser Frage bin ich beim eigentlichen Kern meines Beitrages angekommen. Ich will die Südtrioler Fischer anregen, gängige Fischereimethoden, Befischungsintensität/Befischungszeiten und vor allem Entnahmemengen zu hinterfragen, denn darauf hat jeder Fischer sehr wohl Einfluss.

Für die Mehrzahl der Fischer geht es doch heutzutage viel eher um das Erlebnis eines entspannenden und gleichzeitig spannenden Fischertages an der frischen Luft, als um das Erbeuten möglichst vieler Fische zum Nahrungserwerb. Wenn jemand gerne und viel Forelle isst, dann kann er/sie heutzutage einen Fischzuchtbetrieb aufsuchen und zu relativ günstigen Preisen Fische in hervorragender Qualität kaufen; sogar biologisch erzeugte Forellen werden feilgeboten. Ich denke wir stimmen darüber ein, dass die sogenannte „Fleischfischerei“ nicht mehr zeitgemäß ist. Außerdem sind unsere Gewässer, durch oben genannte Eingriffe, längst nicht mehr in der Lage so viele Fische zu produzieren wie noch vor 30 Jahren. Früher konnte man vielleicht noch kurz zum Bach gehen und schnell zehn Forellen holen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen; heute muss jeder Fischer froh sein, im Laufe eines Fischertages einige wenige maßige Fische an den Haken zu bekommen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass es den Populationen nicht gut geht. Die Zahl der maßigen Fische spiegelt die Zahl der Eier wider, die zur Laichzeit abgelegt werden können. Je mehr Laichfische es gibt, desto mehr potentieller Nachwuchs - das ist eigentlich ganz einfach und logisch. Wollen wir also möglichst viele fangfähige Marmoratas in den Flüssen, dann benötigen wir zunächst noch viel mehr Jungfische, damit daraus wieder Fängfähige heranwachsen können. Oder umgekehrt: Je mehr adulte Marmoratas in einer Saison entnommen werden, desto weniger Nachwuchs kann gezeugt werden. Schwärmt nun zu Saisonbeginn die Südtiroler Fischergilde aus und manch einer entnimmt so viel er fängt, geht das zu Lasten der Lachfischzahlen. Der Versuch mangelnde Lebensraumqualität und hohe Entnahme mit Besatzfischen auszugleichen, funktioniert nicht wirklich. Zum einen haben die Besatzfische mit dem Wildfisch im Sinne Robert Behnkes nichts gemein, zum anderen sind die, trotz intensivem Besatz, mageren Bestände ein deutliches Zeichen für das Scheitern der „Besatzidee“. Nebenbei hat der Fischbesatz unter den meisten international anerkannten Experten seinen Wundermittelstatus längst verloren und wird lediglich noch als kurzfristige, zeitlich begrenzte Bewirtschaftungsmaßnahme empfohlen.

Mein Appell an alle Fischer lautet viel mehr: Seid bescheiden! Ich denke, es ist jedenfalls notwendig und auch zeitgemäß, die Entnahmezahlen zurückzunehmen. Auch wenn viele Reviere das bereits erkannt und ihr Regelwerk entsprechend angepasst haben, kann jeder einzelne durch mehr Bescheidenheit dazu beitragen, zukünftig wieder mehr und auch größere Marmoratas im Fluss zu haben. Zumindest für mich ist es erbaulicher, einen schön gezeichneten, kräftigen Laichfisch, unverletzt wieder zurückzusetzen; essen kann ich ja auch kleinere Exemplare oder eben zumindest manchmal einen Fisch aus Aquakultur. Man muss ja heutzutage auch die Kapitale nicht mehr am Wirtshaustisch vorlegen, sondern kann auch mit einem Foto seine fischereilichen Fähigkeiten belegen. Dieser aus meiner Sicht erwünschte Trend zur maßvollen Entnahme, macht freilich nur dann Sinn, wenn auch die Fischerei mit entsprechend schonenden Methoden erfolgt. Durchaus positiv sind dabei Reviere hervorzuheben, die Einzelhaken, widerhakenlos, mit der Fliegengerte propagieren. Die effiziente Fischerei mit Köderfisch und/oder Drillingshaken auf die Marmorata, oder das „Tirolerhölzl“ für die Äschenpirsch gehören meiner Ansicht nach in eine Zeit, die vom Beutemachen geprägt war, in der der Fischer den Lizenzpreis durch erbeutete Fische wieder hereinbringen wollte. Diese „Geisteshaltung“ verschwindet aber mehr und mehr und der Aspekt des Naturerlebnisses drängt verstärkt in den Vordergrund. Ich denke, dass die Fischerei zukünftig verstärkt danach trachten wird müssen, den Fisch, die Marmorata, sorgfältig zu behandeln. Zum einen weil die Bestände aufgrund schlechter und weiter schlechter werdender Lebensraumqualität schwinden, zum anderen auch weil ethische, v. a. Tierschutzaspekte gesellschaftlich immer relevanter werden und ein respektvoller Umgang mit der Kreatur das Ansehen der Fischerei in einer zivilisierten und aufgeklärten Gesellschaft stärken wird.

In diesem Sinne, ein kräftiges Petri aus Österreich,

„Gü“

Der Autor:

Dipl.-Ing. Dr.nat.techn. Günther Unfer

Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement

BOKU Wien

Literaturtipp:

Behnke R.J. 2007. About trout. Guilford, CT: The Lyons Press. ISBN 978-1-59921-203-6

14.07.2014

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Dazu gehörige Leserbriefe:

1. Leserbrief von Roland Borghi
2. Leserbrief von Christoph Ohnewein

 

 

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